Keramikkunst im Berliner Szenekiez: Zu Gast bei Stefanie Scheier

Heute darf ich euch ein ganz besonderes Berliner Schmankerl vorstellen: die wunderbare Alltagskeramik von Stefanie Scheier. Gedacht für den Alltag, aber ganz sicher nicht alltäglich, sind diese kleinen Kostbarkeiten: schöne Becher, Vasen und Schalen, an denen sich das Auge erfreuen kann. Seit Jahren schmückt eine dieser besonderen Vasen die Kommode meiner Freunde in Berlin. Und immer habe ich neidisch mit dieser Schönheit geliebäugelt. Nun denn, letzte Woche noch über den Konsumkill unserer Gesellschaft gehöhnt und nun wieder selbst der Shoppingssucht gefrönt, denn wer kann es mir verdenken, wollte ich mir glatt selbst ein solches Teil schenken.

Und so landete ich in Stefanies Atelier im Prenzlauer Berg, wo sie ihre Keramik verkauft und herstellt. Man kann der Künstlerin also gleich bei der Arbeit zuschauen und auch ein bisschen mit ihr plaudern. Das traut man sich jedoch kaum, um sie ja nicht in ihrem kreativen Prozess zu stören (man möchte sich ja nicht benehmen wie der Elefant im Porzellanladen, nicht wahr?). Aber so ganz verkneifen konnte ich es mir dann doch nicht und musste sie ein bisschen ausfragen (ganz im Sinne meines ach so investigativen Journalismus’ versteht sich). Stefanie stand mir zu meinem Glück Rede und Antwort und so konnte ich ihr ein paar interessante Informationen entlocken, an denen ich euch nun teilhaben lassen möchte.

Die Becher und Vasen werden nach dem Formen auf der Drehscheibe mit Engoben und anderen Farbkörpern bedruckt, dann gebrannt und zum Teil noch transparent glasiert. Das ergibt einen formschönen Mix aus glatter und rauer Oberfläche sowie diese interessante Optik, die an antike Ruinen oder alte Fliesen erinnert. Die Druckvorlagen dazu kommen häufig von altem Geschenkpapier, wie mir Stefanie verriet.

In ihrem Atelier vermietet die Bayerin für gewöhnlich einen Raum an andere Künstler_innen, sodass es in der Werkstatt stets auch andere Kunstwerke zu kaufen gibt. Zum Beispiel bestempelte Papierbögen und Karten oder Keramik-Puppen, die nicht aus Stefanies Hand stammen. Zudem garantiert es, dass immer jemand im Geschäft sein kann, weil Stefanie seit einiger Zeit nurmehr Halbzeit als Keramikkünstlerin arbeitet.

Es hat sich für mich einfach als das angenehmere und freiere Konzept erwiesen. So kann ich mich in meiner Keramik frei ausleben und bin nicht an Märkte oder Kooperationen gebunden.
— Stefanie Scheier

Wenn Stefanie also nicht in ihrer Werkstatt arbeitet, ist sie Kunsttherapeutin und im sozialen Bereich tätig.

Eine solche Aufteilung scheint häufig gut zu funktionieren, wenn man sich mit seiner Kunst oder seinem Label selbstständig machen möchte. Einerseits will man sich seine Projekte aussuchen können, andererseits ist man auf eine relativ stabile Einnahmequelle angewiesen, wenn man zusätzlich Atelier-, Material- und Arbeitskosten zu entrichten hat. Vor allem im Anfangszeitraum, da man noch recht unbekannt ist und nur über persönliche Kontakte Aufträge erhält, sind Märkte, Kooperationen und sich daraus ergebende größere Aufträge enorm wichtig. Eine Teilzeitlösung bietet hingegen eine gewisse Sicherheit und Stabilität, um laufende Kosten wenigstens halbwegs abzudecken und dem kreativen Dasein dennoch den nötigen Freiraum zu gewähren.

Nach einer Ausbildung zur Keramikerin, hat Stefanie 2004 den Laden in Berlin eröffnet und sich zeitweise Vollzeit selbstständig gemacht. Später entschied sie sich jedoch für eine andere Lösung, die ihrer Kreativität in der Keramik mehr Freiheit versprach. 

Außerdem kann es sehr einsam und eigenbrötlerisch sein, den ganzen Tag allein im Atelier zu arbeiten. Nun arbeite ich auch wieder mehr mit Menschen, im sozialen Bereich, zusammen mit der Arbeit hier in der Werkstatt, fühle ich mich sehr wohl.
— Stefanie Scheier

So ist die Ladenwerkstatt laut Homepage momentan lediglich nach Vereinbarung geöffnet. In Wirklichkeit kann man aber auch mal so vorbei schauen und gucken, ob geöffnet ist und man ein Unikat ergattern kann.

Doch der Prenzlauer Berg, Berlin überhaupt, ist ein umkämpfter und gesättigter Markt. Es ist nicht leicht, sich hier durchzusetzen und auch dran zu bleiben. Die in Einzelstücken und Kleinserien gefertigten Becher und Vasen von Stefanie sind eher kein Schnäppchen (gemessen am mageren Studentenbörserl), aber die Freude daheim, eine schöne Tasse heißen Tee im eigenen einzigartigen Becherchen zu genießen, ist doch wahrhaft wertvoll!